Angler Sattelschwein

Geschichte: In der gar nicht mal so langen, dafür aber sehr wechselvollen Geschichte des Angler Sattelschweins ist hoffentlich der Tiefpunkt überschritten. Ende der achtziger Jahre standen keine zehn Sauen mehr im Herdbuch, und der einzige eingetragene Eber war in der Besamungsstation des Zuchtverbandes zu Hause.

 

Begonnen hatte die Geschichte des Angler Sattelschweins in den zwanziger Jahren. Ein Kreis vonangler_sattelschwein.jpg engagierten Viehzüchtern in der Landschaft Angeln im Norden Schleswig-Holsteins hatte durch Einkreuzen von englischen Wessex-Saddleback eine eigene Rasse gezüchtet. 1929 wurde der "Verein zur Zucht des Angler Sattelschweins" gegründet. Die schnelle Verbreitung verdankte die Rasse ihren hervorragenden Muttereigenschaften, der guten Weidefähigkeit und ihrer Anspruchslosigkeit in der Haltungsform. Nach dem Krieg war das Angler Sattelschwein die in Schleswig-Holstein am weitesten verbreitete Schweinerasse, und auch in den anderen Bundesländern erfreute sie sich großer Beliebtheit.

Allerdings machte sich bereits in den fünfziger Jahren eine Trendwende bemerkbar, die später dem Angler Sattelschwein zum Verhängnis werden sollte: Die Nachfrage nach magerem Fleisch ohne Fettauflage stieg, und die Schlachthöfe wollten nicht mehr Schweine mit schwarzer Haut verarbeiten. Auch die gute Weidefähigkeit - eine tragende Angler Sattelsau konnte sich ausschließlich von Gras auf der Weide ernähren - spielte eine immer geringere Rolle, weil die intensive Schweinehaltung zunahm. Das Sattelschwein mit seinem größeren Anteil an Speck und der außer dem weißen "Sattel" über Schulter und Vorderbeinen ausschließlich schwarzen Haut geriet ins Abseits. Die hervorragende Qualität des gut durchwachsenen, marmorierten Fleisches dieser Rasse spielte in der damaligen Zeit noch keine Rolle.

So schwunghaft, wie einst der Aufstieg des Angler Sattelschweins begonnen hatte, so schnell sank der Marktanteil in den sechziger Jahren wieder. Anfang der siebziger Jahre spielte es im Marktgeschehen keine Rolle mehr. Ende der achtziger Jahre waren es nur noch einige Bauern, die der Sattelschweinezucht treu geblieben waren. Herr Reßmann, Seedorf; Herr Lüdemann, Hemdingen; Herr Hass, Embühren und Herr Wree, Nordballig. Aber der Markt, der einzig und allein die Fleischfülle honoriert, machte es schwer, mit den Sattelschweineprodukten zurechtzukommen. Die wenigen Sauen, die noch übrig geblieben waren, waren meist miteinander verwandt, zumal keine eigenen Eber mehr gehalten wurden, sondern der jeweilige Eber von der Besamungsstation eingesetzt wurde. Aus diesem Bestand die Zucht wieder aufzubauen, wäre sehr schwierig gewesen.

Neubeginn

Einen Neubeginn starteten 1992 einige Betriebsleiter von Biobetrieben mit Unterstützung des Schweinezuchtverbandes und der Landesregierung. Es ergab sich die Möglichkeit, von der ehemaligen LPG Hirschfeld in Sachsen Sattelschweine zu erwerben, die dort als Genreserve gehalten wurden. 50 Sauen und vier Eber gelangten so nach Schleswig-Holstein. Dass es gerade Biobetriebe waren, die den Neuanfang wagten, hat sicher seinen Grund. Es wird in der Regel ab Hof und regional vermarktet, und so besteht die Möglichkeit, durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit und Werbung die gute Fleischqualität über den Preis zu realisieren. Außerdem wird viel zu Wurst verarbeitet, so dass für Speck und Fett genügend Verarbeitungsmöglichkeiten bestehen. Auch kommt die gute Verwertungsmöglichkeit von Gras und Silage der Haltung auf Biobetrieben entgegen, weil die Tiere dort in der Regel Auslauf haben oder Rauhfutter bekommen.

Wenn die Tiere an Schlachtereien oder Metzger verkauft werden, wird meistens mit Kreuzungstieren aus Sattelschwein-Sauen und Kreuzungsebern gearbeitet. Der Zukauf aus Hirschfeld hat allerdings auch Probleme aufgeworfen. Dort wurden keine reinen Angler Sattelschweine gehalten, sondern eine Mischung aus Sattelschwein, Schwäbisch-Hällischem und tschechischem Prestizer (s. a. Artikel "Deutsches Sattelschwein"). Dem ursprünglichen "Outfit" des Angler Sattelschweins, gänzlich schwarz bis auf den weißen Sattel über Schulter und Vorderbeine, können wir deshalb heute nicht mehr ganz gerecht werden. Alle anderen Zuchtziele sind beim Deutschen Sattelschwein in den östlichen Bundesländern, dem Schwäbisch-Hällischen Schwein und dem Angler Sattelschwein identisch. Nur bemüht man sich in Schleswig-Holstein eben stärker, den größeren Anteil Schwarz und den weißen Sattel herauszuzüchten.

Inzwischen wird in Schleswig-Holstein in sechs Betrieben und im Haustierpark Warder das Sattelschwein gezüchtet. Allerdings sind einige der Bestände (die meisten zwischen zehn und 25 Sauen) noch im Aufbau, die Gesamtzahl der eingetragenen Herdbuchsauen ist bisher kaum über die ursprünglichen 50 angewachsen. Das hat seine Gründe darin, dass erstens einige der Hirschfeld-Sauen in Betriebe gekommen sind, die keine Herdbuchzucht betreiben; zweitens ist die Koordination der Zuchtarbeit auf den einzelnen Betrieben nicht ausreichend. (Quelle: g-e-h )

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